Der Gesetzgeber hat rechtliche Möglichkeiten geschaffen, damit Menschen mit Seheinschränkungen wieder zurück in die Arbeit finden. Berufliche Reha hilft weiter!

Die Initiative "VISIO-N" bietet Betroffenen Infos, Tipps und Hilfe rund um das Thema Umschulung und berufliche Rehabilitation.

Die Stärke der Gruppe

Fundament im BFW Mainz gelegt

Jasmin Köppe ist selbstständig – im Alltag und Beruf. Im Berufsförderungswerk Mainz hat sie den Grundstein für ihre erfolgreiche Physiotherapiepraxis gelegt.

„Mit Normalsehenden zu lernen, ist für mich immer selbstverständlich gewesen“, sagt Jasmin Köppe, die in frühester Kindheit an einer Hornhauttrübung erkrankt ist und über etwa drei Prozent Sehkraft verfügt. „Das klingt wenig, aber man kann viel kompensieren: Meine Grundschullehrer waren sehr engagiert, um mir den Unterricht zu ermöglichen, und meine Mutter hat alle Hausaufgaben mit dickem Filzer abgeschrieben. Ab dem Gymnasium konnte ich auf ein Lesegerät zurückgreifen, das mir Texte und Aufgaben vergrößert hat.“ Allerdings tauchten da schon die ersten Probleme auf, denn technische Hilfsmittel waren in den 80ern noch groß und unhandlich. Bei Raumwechseln hat es viel Anstrengung gekostet, das Lesegerät zu transportieren. „Aber ich musste das Gerät nie alleine tragen. Inklusion war uns zwar noch kein Begriff, gelebt haben wir sie trotzdem schon.“

Symbiotische Gemeinschaft
Erst als sie in Duisburg ein Studium aufnahm, stieß Jasmin Köppe an ihre Grenzen. Einen Hörsaal überhaupt zu finden, war schon eine Herausforderung. Der Vorlesung zu folgen, war ihr unmöglich. „Hörsäle sind nicht wirklich zum Hören geeignet: Es wird viel geraschelt und gequatscht, die Akustik verstärkt die Unruhe nur noch.“ Hilfe erhielt sie hier nicht mehr. „Nach einem Semester habe ich abgebrochen. Ich habe mich zum ersten Mal allein gefühlt und war sehr niedergeschlagen.“ Aber Jasmin Köppe hat sich schnell wieder aufgerichtet: Sie stellte einen Antrag auf Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben, lernte im BFW Mainz den Beruf der Physiotherapeutin und legte das Staatsexamen ab. „Da war ich zum ersten Mal von vielen Sehbehinderten umgeben. Und das war gut. Wir waren eine symbiotische Gemeinschaft, haben unsere Einschränkungen gegenseitig kompensiert: Wer noch etwas sehen konnte, half dem Vollblinden in der Theorie, der wiederum in der Praxis beim Ertasten von Verspannungen half. Am Ende jeder Lektion haben wir in die Runde gefragt: ,Hat’s jeder kapiert?’ Und wenn nicht, hat die Gruppe dem Einzelnen geholfen.“

Treue Stammkundschaft in eigener Praxis
So gut ausgebildet, eröffnete Jasmin Köppe im heimischen Dinslaken ihre eigene Praxis. Sie erarbeitete sich über Jahre eine so treue Stammkundschaft, dass sie heute bewusst auf Werbung verzichtet. „Ich konzentriere mich aktuell auf mein Bachelorstudium für Medizinalberufe.“ Auch das absolviert sie im BFW Mainz – mit dem Wissen, dass der Einzelne von der Stärke der Gruppe profitieren kann

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